Auch der User am modernsten Computer ist von seinen Genen her eigentlich noch ein Steinzeitmensch.
Spielregeln im Netz mit ursprünglichen Verhaltensweisen der menschlichen Gesellschaft zu vergleichen, das war Inhalt einer Untersuchung der österreichischen Spieltheoretiker Karl Sigmund (Uni Wien) und Martin A. Nowack (Havard University, Cambrigde). Die Ergebnisse wurden in der jüngsten Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift "Nature" veröffentlicht.
Ihre Erkenntnis: Im Internet haben sich offenbar ganz von selbst uralte, aber in der Evolution bewährte Verhaltensmuster etabliert.
Für die Wissenschaft war es lange Zeit ein Rätsel, wie sich Selbstlosigkeit (Altruismus) im Laufe der Entwicklung durchsetzen konnte, auch wenn der Einzelne keinen direkten Nutzen davon hat. Scheint doch gerade diese Eigenschaft den strengen darwinistischen Prinzipen der Evolution zu widersprechen, nach denen sich nur der stärkere durchsetzt und letztlich überlebt.
Mit Hilfe mathematischer Modelle konnte die Evolution von Verhaltensweisen studiert und per Computer binnen Kurzem ganze Jahrhunderte und Jahrtausende nachgestellt werden.
"So zeigt sich immer wieder, dass selbstloses Verhalten unter bestimmten Umständen für die ganze Gesellschaft von Vorteil ist", erklärt Sigmund. Solch selbstloses Verhalten wäre beispielsweise, wenn Person A Person B hilft - Essen gibt, den Rücken entlaust, etc. -, ohne dass B seinem Gönner hilfreich ist.
Wenig sinnvoll ist dagegen selbstloses Verhalten, wenn es unreflektiert passiert. Wenn Menschen anderen gleichsam nach dem Gießkannenprinzip helfen, so fördert dies Schmarotzertum, was wiederum langfristig der Gemeinschaft schadet.
Besonders interssant sind für die Forscher Internet-Aktionsplattformen. Hier haben sich in den letzten Jahren Strukturen entwickelt, die die Theorien der Spielforscher weitgehend bestätigen.
Ähnlich wie in der steinzeitlichen oder noch älteren Kulturen gibt es im Internet keine zentralen Regierungen, kaum Gesetze und de facto keine Polizei. Die Menschen, im Netz zu Usern geworden, müssen selbst sehen, wie sie miteinander auskommen. "Das funktioniert über weite Strecken offenbar ganz gut", so Sigmund.
Mittlerweile haben auch Ökonomen die Erkenntnisse der Spielforscher für sich entdeckt und bauen sie in eigene Modelle ein.
Nature -international weekly journal of science
deutsche.nature.com
Spieltheorie (wikipedia)
Evolution (wikipedia)
Soziobiologie (wikipedia)
gesagt...